Psychotherapie Praxis Simone Schriefer

Mein Therapiehund Oskar beim IB

KÖLN - Das BZ Köln ist „auf den Hund gekommen“ Einsatz eines Therapiehundes in der beruflichen Rehabilitation

Der IB führt im Bildungszentrum Köln seit vielen Jahren Maßnahmen der Agentur für Arbeit zur beruflichen Rehabilitation durch. Erstmals hatten wir für ein halbes Jahr einen Therapiehund im Maßnahmebereich der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme für junge Menschen mit psychischen Vorerkrankungen eingesetzt.

Oskar, zur Rasse der Schapendoes (holländischer Hütehund) gehörend, weist neben einer zertifizierten Therapieausbildung auch einschlägige Praxiserfahrung aus dem Einsatz in der Kinder- und Jugendpsychiatrie auf. Auch wenn die Teilnahme an einer Maßnahme der Beruflichen Rehabilitation voraussetzt, dass keine akute Erkrankung vorliegt, so ist die seelische Befindlichkeit unserer Teilnehmer meist wenig stabil und mit teilweise erheblichen Schwankungen bis zu rezidiven Verläufen unterlegt. Spürbar wird dies in der Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmern und den Mitarbeitern. Und hier besteht der Arbeitsauftrag des Hundes: Er bewegt sich unvoreingenommen (wertfrei) auf alle Personen zu und kann deren Stimmungen und Gefühle aufnehmen sowie alleine durch seine Anwesenheit positiv Einfluss nehmen. Kontaktgehemmte und in sich zurückgezogene Teilnehmer, z.B. mit depressiver Vorerkrankung, können sich leichter öffnen und erleben spürbar ein positives Lebensgefühl.

Von Teilnehmern, die in ihrem Verhalten die angemessene Distanz nicht einhalten und zu schnell oder zu massiv die Nähe einfordern, hält er von sich aus dezentem Abstand oder sorgt für Zurückhaltung, ohne dabei aggressiv zu werden (kein Bellen, kein Knurren). Bei Teilnehmern, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung die Konzentration über einen längeren Zeitraum nicht haltenkönnen oder dissoziative Episoden (einnicken, mental aussteigen) erleben, vermag er die geistige Aktivität zu mobilisieren und Präsenz wieder herzustellen.

Gerade für männliche Teilnehmer, die sehr laut, unbeherrscht bzw. auch verbal massiv auftreten, fällt es leichter im Beisein des Hundes Empathie aufzubringen und Hinweise auf ruhigere und angemessenere Umgangs-formen anzunehmen und so auch allgemein geltende Hausregeln zu beachten.

Zunächst war es für das Haus eine sehr ungewohnte Situation, dass ein Hund in den unterschiedlichsten Fluren, Berufs- und Werkstattbereichen und Büros vorbeischaute. Da nicht jeder ein Hundefreund ist, war es umso erstaunlicher, dass seitens der Teilnehmer/innen und Mitarbeiter/innen im gesamten Bildungszentrum nur selten Ablehnung oder Vorbehalte gegenüber dem Hund festzustellen waren, sondern er eher allseits mit großer Freude aufgenommen und vielfältig verwöhnt wurde, aber nicht die allgemeine Ablenkungsbereitschaft erhöhte. So brachte er eine andere sehr wohltuende Lebendigkeit ins Haus.

Die Mitarbeiter der BvB-REHA-S werden gerne von Oskar auf ihren Wegen in die Berufsbereiche usw. begleitet. Die Gestaltung der Mittagspausenzeiten verändern sich, da nun Spaziergänge in kleineren Gruppen außerhalb des IB-Geländes vorgenommen werden. Bei einer Exkursion in einen Hochseilgarten kümmerte sich Oskar u.a. auch um diejenigen Teilnehmer, für die dieses Kompetenztraining eine hohe emotionale Anforderung war und half dabei, Ängste und Stress abzubauen. In Einzelgesprächen im Büro der Psychologin oder der sozialpädagogischen Bildungsbegleiter ist er als ruhiger (oder schlafender) Zuhörer mit dabei.

Oskar zeigt eine sehr wohltuende Präsenz. Weder verspielter Hund noch reines Kuscheltier oder exzentrisch in der Auswahl bzw. Ablehnung von Teilnehmern, stellt er keine Anforderung und hat auch keine Er-wartungshaltung. Er schafft so einen unkomplizierten Zugang und zeichnet sich durch besondere Sensibilität für die Gefühle und Beeinträchtigungen unserer Lehrgangsteilnehmer aus und kann dies sehr fein signalisieren.

Ulrich Blühm